rosengedichte

Rosen pflücke, Rosen blühn

Rosen pflücke, Rosen blühn,
Morgen ist nicht heut!
Keine Stunde laß entfliehn,
Flüchtig ist die Zeit!
 
Trinke, küsse! Sieh, es ist
Heut Gelegenheit!
Weißt du, wo du morgen bist?
Flüchtig ist die Zeit!
 
Aufschub einer guten Tat
Hat schon oft gereut!
Hurtig leben ist mein Rat.
Flüchtig ist die Zeit!
 
Johann Wilhelm Ludwig Gleim

 

 

Der Rose süßer Duft genügt,
Man braucht sie nicht zu brechen -
Und wer sich mit dem Duft begnügt,
Den wird ihr Dorn nicht stechen.
 
Friedrich von Bodenstedt

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Die Rosen im Süden

  • Aus den Knospen, die euch deckten,
    Süße Rosen, mein Entzücken,
    Lockte euch der heiße Süd;
  • Doch die Gluten, die euch weckten,
    Drohen jetzt, euch zu ersticken,
    Ach, ihr seid schon halb verglüht!
  • Und dem Freunde, dem erschreckten,
    Deucht, er muß euch eilig pflücken,
    Daß ihr nicht zu schnell verblüht!
  • Gedicht von Christian Friedrich Hebbel (1813-1863)

 

Sieh, wie sie leuchtet,
Wie sie üppig steht,
Die Rose -
Welch satter Duft zu dir hinüberweht!
Doch lose
Nur haftet ihre Pracht -
Streift deine Lust sie,
Hältst du über Nacht
Die welken Blätter in der heissen Hand...
Sie hatte einst den jungen Mai gekannt
Und muss dem stillen Sommer nun gewähren -
Hörst du das Rauschen goldener Ähren?

Gedicht von Thekla Lingen (1866-1931)

 

 

 

 

Die trauernde Rose

Allzulange, Wiederhall,
Tönst du mich zu preisen.
Singe du mir Nachtigall,
Klageweisen.

Nicht der Liebling der Natur
Bin ich, wie ich scheine;
O! sie gab mir Qualen nur,
Freuden keine.

Nicht in Wonne, früh und spät,
Schwimm' ich, wie sie wähnen,
Ganz von Perlen übersä't;
Nein! von Tränen.

Ach! Gewalt und Stürme droh'n
Meinem kurzen Schimmer!
Kommst du morgen, ist er schon
Hin auf immer.

Gedicht von August Clemens (1748-1817)

 

Wenn die wilden Rosen blühn
An des Feldes Rand,
Frischgemähtes Wiesengrün
Duftet durch das Land,
Wenn in stillen Waldesgründen
Sich die rothen Beeren ründen
Und die Sommerzeit verkünden,
Wenn der Himmel blaut so weit -
O du schöne Rosenzeit!

Hell und warm ist nun die Nacht,
Länger wird der Tag,
Dass er all der Schönheit Pracht
In sich fassen mag.
Frühling ist noch nicht gegangen,
Sommer hat schon angefangen,
Beide hold vereinigt prangen,
Herbst und Winter sind noch weit -
O du schöne Rosenzeit!

Ja in Rosen steht die Welt,
Aber ahnungsbang
Rauschet durch das Ährenfeld
Schon ein fremder Klang:
Bald ertönt der Erntereigen,
Und die Rose wird sich neigen,
Und die Vögel werden schweigen.
Ach wie bald, dann liegst Du weit -
O du schöne Rosenzeit!

Gedicht von Heinrich Seidel (1840-1906)

 

 



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